Einstieg
Den Begriff des “Holistic Transmedia Storytelling” habe ich zum ersten Mal bei psfk.com gelesen. Der Begriff gefällt mir, für eine neue Art des Geschichtenerzählens. “Transmedia Storytelling”, also der Weg eine Geschichte in verschiedenen, auch mobilen Kanälen zu erzählen und so dem Kunden auf verschiedenen Wegen und auch Stellen der Geschichte zu begegnen. Ortsgebundenes und lineares Erzählen werden somit aufgehoben. Das ganze wird in dem Artikel mit dem Bergriff der “Holistic” verknüpft, aber dies wird wenig beschrieben. Es wird als zukünftiges Mittel der PR gesehen und bezieht sich auf die alten und neuen, sozialen PR Kanäle.
Gestern
Früher kam der Geschichtenerzähler in die Dörfer und Städte. Sie konnten allein mit ihrer Stimme viel bewirken, eben mit ihrer Art des Vortrags (Konzentration auf eine Person und wenige Sinne). Dies sprach schon den ganzen Menschen an, eben holistisch. Dazu kamen später im Mittelalter Bildtafeln (visuelle Informationen), die das gesagte unterstützten. Es entstanden fahrende Schauspieltruppen, die aktuelle Ereignisse meist übertrieben darboten (Konzentration wird auf mehrere Personen aufgeteilt). Das Ziel war, den Zuhörer bzw. Zuschauer ganz in seine Geschichte zu ziehen. Also die Eindrücke, Ängste oder Erfahrungen so zu schildern, das der Zuhörer nicht abwanderte. Um so fesselnder die Geschichten vorgetragen wurden, um so mehr wurde eingenommen.
Heute
Es gibt noch solche klassischen Geschichtenerzähler – zum Beispiel Lorcan Flynn aus Irland. Auch hier steht und fällt der Erfolg mit dem Interesse an den Geschichten, die er zu erzählen hat und seiner Art zu erzählen. Besonders in der heutigen Zeit mit Kino und Fernsehen, dem Internet und der Mobilität ist die Konzentration auf eine Sache schwierig geworden. Informationen in vielfältiger Form müssen tagtäglich verarbeitet werden. Schafft es also der Geschichtenerzähler noch, seine Zuschauer zu begeistern, ohne auf andere Medien bzw. Sinnes eindrücke zurück zu greifen. Wie kann man also heute eine längere Geschichte so erzählen, das die “Kunde” dabei bleibt. Bei Kindern stellt man fest, das sie erst mit fortschreitendem Alter längeren Geschichten folgen können. Später kann man ihnen auch lange Geschichten vorlesen, ohne das sie abschweifen. Hier sind eine ausgeprägte Fantasie und reale Sinnes Erfahrungen ein wesentlicher Grundstein. Wer seinen Kindern nur Erlebnisse vorspielt (TV) und fertige Bilder präsentiert, darf sich nicht wundern, wenn Sie einer Geschichte nicht folgen können oder wollen. Man kann sich erst vorstellen wie etwas ist, wenn man es erfahren hat.
Die Thueringer Allgemeine schreibt dazu:
“Was macht die Mutter, wenn beim Kindergeburtstag die Bande rennt und schreit und die Nerven strapaziert? Die ängstliche schaltet den Fernseher ein, die kluge Mutter holt ein Buch und beginnt zu erzählen. In kurzer Zeit schart sie selbst die Lautesten um sich; die Kinder lauschen und tauchen ein in die Welt von Alfons Zitterbacke und Michel aus Lönneberga.
Hier ist die eine Seite, das klassische Geschichten erzählen, was die Fantasie anspricht und schon als holistisch zu erfahren ist, wenn es gut vorgetragen wird. Wobei man sich als Erwachsener vom Vorlesen trennen sollte und die Geschichte am Besten frei erzählt und mit seinem Eigenen verbindet. Dies wird weiterhin der natürliche Ursprung und Zweck des klassischen Geschichten erzählen sein – bitte keine Änderung
Die anderen Seite ist die Welt der Erwachsenen, mit Fernsehen, Zeitschriften, dem Internet und den mobilen Telefonen. Will hier noch eine Geschichte erzählt werden, ist das “Transmediale Storytelling” des neuen Geschichten Erzählers, dem Journalisten oder eben PR-Managers gefragt. Hier wird nun ein neuer Weg gesucht.
Auf derStandard.at sagt Shazna Nessa von der Nachrichtenagentur AP in einem Interview:
Heutzutage sind datenbasierte Informationen überall greifbar, aber darin einen verständlichen Zugang zu komplexen aktuellen Themen zu finden, ist manchmal richtig schwer. Meine Arbeit konzentriert sich darauf, dem User den oft tief vergrabenen Kontext durch Visualisierungen zu erklären. Wir verwenden dafür Fotos, Videos und grafische Tools, beispielweise Karten und Diagramme. Durch die Einbindung von Bild und Audio in Metaebenen können wir die Muster in großen Datenmengen darstellen. Diese Technik wird im Journalismus immer populärer.
Es liegt sicherlich noch jede Menge Arbeit vor uns, um mehr Einfachheit in die Darstellungen zu bringen und den User besser durch die Geschichte zu begleiten. Das User-Interface ist Teil davon. Interfaces ändern sich durch unterschiedliche Bildschirmformate, den Siegeszug der Touchscreens und die ständige Verfügbarkeit mobiler Endgeräte. Das verändert die Erfahrung und sie gewinnt an Leben. Deshalb ist es eine natürliche Entwicklung, dass journalistisches Geschichtenerzählen von traditionellem Text, Foto und Videoformaten in eine vielschichtigere Erfahrung übergeht.
Also hier ist die Aufgabe, Informationen zu vermitteln und nicht nur zu unterhalten. Allerdings funktioniert eben diese Informations-Vermittlung über den Weg der guten Unterhaltung, auf vielen Ebenen.
Meine Suche
Ich bin kein PR-Manager sondern ein klassischer Pen & Paper Rollenspieler mit Hang zum bloggen. Warum beschäftigt mich also dieses Thema immer wieder. Ich suche eine neue Form des Rollenspiels, des interaktiven Erzählens einer Geschichte. Nun habe ich auf “Das Kulturmanagment Blog” den Gastbeitrag von Caspar Lösche über das Transmedia Projekt „VvonWatt“ gelesen. Hier nun fand ich den Ansatz für mein Suchen, die Idee einer neuen Art von Storytelling als reine Unterhaltung!